Schwimmen lernen (Kraulen)
Verstehe die Technik, verbessere deine Wasserlage und lerne effizient zu schwimmen.
1. Warum ist Schwimmen so schwierig?
Schwimmen fühlt sich am Anfang anstrengend an, weil das Wasser eine ungewohnte Umgebung ist. Du atmest nicht frei, du siehst weniger und jede Bewegung kostet mehr Energie als an Land. Der Körper möchte sich instinktiv aufrichten — genau das aber bremst dich.
Anders als beim Laufen oder Radfahren bringt mehr Kraft nicht automatisch mehr Tempo. Wer mit Krafteinsatz „kämpft", wird langsamer. Technik schlägt im Wasser fast immer Kondition. Ein technisch sauberer Schwimmer mit 60 % Krafteinsatz ist meist schneller als ein ungeübter Schwimmer mit 100 %.
2. Die Wasserlage
Eine gute Wasserlage bedeutet: dein Körper liegt fast waagerecht unter der Wasseroberfläche. Der Kopf bleibt entspannt im Wasser, der Blick geht nach schräg unten, die Hüfte ist hoch.
Sinkende Beine sind der häufigste Anfängerfehler. Sie entstehen meist durch zu hoch gehaltenen Kopf, verspannte Schultern oder das Halten der Luft. Sobald die Beine absinken, wirkt der Körper wie eine Bremse — Geschwindigkeit kostet plötzlich enorm viel Energie.
Eine gute Wasserlage fühlt sich fast „mühelos" an. Du gleitest, statt zu paddeln.
3. Atmung
Eingeatmet wird, wenn der Mund seitlich aus dem Wasser kommt — kurz und kontrolliert. Ausgeatmet wird durchgehend unter Wasser, sobald das Gesicht eintaucht. Wer die Luft anhält, baut CO₂ auf und gerät in Atemnot.
Vollständige Ausatmung ist entscheidend: nur wer die Lunge leert, kann beim nächsten Atemzug wirklich neue Luft holen.
Einseitig atmen heißt: alle zwei Züge auf derselben Seite — entspannter und mehr Sauerstoff. Beidseitig (alle drei Züge) sorgt für eine symmetrische Technik und ist besonders im Freiwasser nützlich.
4. Kopfhaltung
Der Kopf bleibt entspannt in Verlängerung der Wirbelsäule. Der Blick geht nach schräg unten, nicht nach vorne. Der Nacken ist locker, nicht überstreckt. Wer den Kopf hebt, drückt automatisch die Hüfte nach unten — die Wasserlage bricht zusammen.
5. Armzug
- Eintauchen: Hand taucht vor der Schulter ein, Daumen leicht nach unten, Finger entspannt.
- Greifen (Catch): Hand und Unterarm „packen" das Wasser vor dem Körper.
- Zugphase: Unterarm zieht senkrecht unter dem Körper nach hinten — nicht seitlich!
- Druckphase: Hand beschleunigt bis zur Hüfte und drückt das Wasser weg.
- Rückholphase: entspannt über Wasser, Ellenbogen führt.
Typische Fehler: über die Mittellinie greifen, der Arm wird zu früh durchgestreckt, oder die Hand „rutscht" durchs Wasser, ohne Druck aufzubauen.
6. Der hohe Ellenbogen
„Hoher Ellenbogen" beschreibt die Position während der Zugphase: der Ellenbogen bleibt nah an der Wasseroberfläche, der Unterarm zeigt senkrecht nach unten. Dadurch entsteht eine große, druckfeste Fläche, die Wasser nach hinten beschleunigt — das ist Vortrieb.
Ein hängender Ellenbogen ist einer der wichtigsten Punkte, die Anfänger und sogar Fortgeschrittene unterscheiden.
7. Beinschlag
Der Beinschlag stabilisiert die Wasserlage und unterstützt die Rotation. Er erfolgt aus der Hüfte heraus, die Beine bleiben fast gestreckt, die Knie nur minimal gebeugt. Die Füße sind locker und leicht nach innen gedreht.
Häufige Fehler: zu starke Kniebeugung, Beinschlag aus dem Knie statt der Hüfte, hoch gezogene Füße. Echter Vortrieb entsteht beim Kraul zu 80–90 % über die Arme — der Beinschlag stabilisiert vor allem.
8. Rollbewegung
Der Körper rotiert um die Längsachse — etwa 30–45° pro Seite. Diese Rotation entlastet die Schultern, verlängert den Armzug und erleichtert die Atmung. Eine Rotation, die nur aus der Hüfte oder nur aus der Schulter kommt, bremst die Bewegung.
9. Timing
Im Kraul greifen Armzug, Beinschlag, Atmung und Rotation ineinander wie Zahnräder. Der eintauchende Arm streckt sich nach vorn, während der andere noch zieht. Die Atmung erfolgt zur Zugseite, der Beinschlag läuft kontinuierlich. Wer das Timing einmal spürt, schwimmt plötzlich ruhiger und schneller — bei gleicher Anstrengung.
10. Häufige Fehler
- Kopf zu hoch: Beine sinken ab, hoher Widerstand.
- Luft anhalten: CO₂ steigt, Atemnot folgt.
- Über die Mittellinie greifen: Körper schlängelt sich.
- Hängender Ellenbogen: kein effektiver Vortrieb.
- Beinschlag aus dem Knie: hoher Energieverbrauch, wenig Wirkung.
- Zu kurzer Armzug: Hand verlässt Wasser zu früh.
- Verspannte Schultern: verhindern saubere Rotation.
11. Techniktechniken & Drills
Abschlagschwimmen
Ziel: Timing und Streckung verbessern.Erst nachdem die ziehende Hand am Oberschenkel ankommt, startet der andere Arm. Fehler: zu früh starten, kein Gleiten.
Einarmig
Ziel: Bewusstsein für Armzug und Wasserlage.Nur ein Arm zieht, der andere bleibt vorn gestreckt. Atmung zur ruhenden Seite. Sinnvoll bei wechselnden 50 m Strecken.
Superman
Ziel: Streckung und Gleitphase trainieren.Beide Arme vorn, nur Beinschlag. Körper möglichst lang machen.
Catch-Up
Ziel: Symmetrie und Catch verbessern.Beide Hände treffen sich vorn, bevor der nächste Zug startet.
Faustschwimmen
Ziel: Druckaufbau über den Unterarm.Mit geschlossener Faust schwimmen. Du spürst sofort, wie wichtig der Unterarm als „Paddel" ist.
6-Kick Switch
Ziel: Rotation & Atemtiming.Ein Armzug, sechs Beinschläge auf einer Seite, dann zur anderen Seite rotieren. Ideal für Wasserlage und Rotation.
Sculling
Ziel: Wassergefühl im Catch.Hände vorn, kleine seitliche Bewegungen — du spürst Wasser an Hand und Unterarm.
Finger Drag
Ziel: Hohe Ellenbogenführung über Wasser.Während der Rückholphase die Finger durchs Wasser ziehen. Der Ellenbogen muss zwangsläufig hoch sein.
Kicken mit Brett
Ziel: Wasserlage & Beinschlag isoliert.Brett vorn halten, Beinschlag aus der Hüfte. Sinnvoll dosiert einsetzen — nicht endlos.
Atemwechsel-Sets
Ziel: Beidseitige Atmung gewöhnen.Sätze mit Atem 3 / 5 / 7 — fördert Symmetrie und Lockerheit.
12. Trainingsbeispiele
Einsteiger (1500 m)
- 200 m locker einschwimmen
- 4 × 50 m Drill (Abschlag / Catch-Up im Wechsel), 20 s Pause
- 6 × 100 m ruhig, gleichmäßiger Atemrhythmus
- 200 m locker ausschwimmen
Fortgeschritten (2500 m)
- 400 m einschwimmen
- 8 × 50 m Drills (Faust / 6-Kick / Sculling)
- 5 × 200 m Hauptserie, 20 s Pause, Tempo CSS+5
- 200 m locker
Techniktraining (1800 m)
- 300 m locker
- 10 × 50 m, jeder 2. Drill (Catch-Up, Single-Arm, Finger Drag)
- 4 × 100 m mit Fokus auf hohen Ellenbogen
- 200 m locker
Grundlagen (3000 m)
- 400 m einschwimmen
- 10 × 200 m, 15 s Pause, lockeres Grundlagentempo
- 200 m locker
13. Tipps für Triathleten
- Freiwasser: erst Technik im Becken festigen, dann ins offene Wasser. Erste Freiwasser-Sessions immer mit Begleitung oder im überwachten Bereich.
- Neopren: hebt die Beine, verbessert die Wasserlage. Achte auf passende Größe — zu eng schränkt die Atmung ein.
- Navigation: alle 4–6 Züge kurz nach vorn schauen (Krokodilblick), nicht den ganzen Kopf heben.
- Startgruppe: realistisch einschätzen. Lieber etwas hinten starten und sauber schwimmen als im Gedränge in Atemnot geraten.
- Orientierung: markante Punkte am Ufer wählen, nicht nur Bojen.
- Atmung unter Stress: bewusst lang und ruhig ausatmen. Sobald du gehetzt atmest, wird es schlimmer — der Reflex „mehr Luft holen" bringt nichts ohne vorheriges Ausatmen.
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