Tri-Clubhaus
Ironman Hamburg · 7. Juni 2026

Der Weg ist das Ziel

Ironman Hamburg 2026 Recap

ca. 14 Min Lesezeit

Finish
10:43:43
Overall
624 / 2178
Männer
570 / 1852
AK M25-29
108 / 298
Schwimmen
1:16:52
Radfahren
5:18:10
Marathon
3:53:06

Am 7. Juni 2026 bin ich nach 10:43:43 Stunden beim Ironman Hamburg ins Ziel gekommen. Wenn mich heute jemand fragt, wie der Wettkampf war, denke ich dabei aber erstaunlich selten zuerst an diese Zahl. Natürlich bin ich stolz auf die Zeit. 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und danach noch einen Marathon laufen – das macht man nicht einfach nebenbei. Trotzdem ist die Zeit für mich heute eher das Ende einer Geschichte als die eigentliche Geschichte.

Denn rückblickend war der Ironman nie dieser eine Tag in Hamburg. Der Ironman waren die zehn Monate davor.

Im August 2025 habe ich mich für den Ironman Hamburg angemeldet. Viele haben damals gesagt, ich solle erstmal einen olympischen Triathlon machen oder wenigstens mit einer 70.3 beginnen. Andere waren überzeugt, dass zehn Monate Vorbereitung nicht reichen würden oder man so eine Distanz nicht einfach ohne Trainer angehen sollte.

Vielleicht waren diese Hinweise sogar gut gemeint. Für mich stand aber etwas anderes im Vordergrund. Ich wollte niemandem etwas beweisen. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich mehr schaffen kann, als ich mir ursprünglich zutraue.

Also habe ich angefangen zu trainieren.

Aus einzelnen Einheiten wurden feste Routinen. Aus einem Ziel in weiter Ferne wurde Schritt für Schritt ein konkreter Plan. Am Ende standen knapp 575 Trainingsstunden auf der Uhr. Fast 190 Kilometer Schwimmen, über 7.300 Kilometer auf dem Rad und mehr als 1.800 Laufkilometer.

Was mir vorher niemand gesagt hat: So eine Vorbereitung verändert nicht nur deinen Körper, sondern auch dein Leben.

Training wird irgendwann ganz selbstverständlich Teil des Alltags. Plötzlich plant man Wochenenden um lange Radausfahrten herum. Treffen mit Freunden finden beim Laufen oder auf dem Rad statt. Spät ins Bett gehen wird selten. Alkohol verliert an Bedeutung. Man wird nicht unbedingt disziplinierter, sondern die Prioritäten verschieben sich einfach.

Ich habe versucht, die freie Zeit, die neben dem Training übrig blieb, möglichst bewusst mit meiner Frau zu verbringen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sich manches in meinem Umfeld ganz von selbst sortiert. Menschen, die diesen Weg nachvollziehen konnten, sind geblieben. Andere eben nicht. Das gehört wahrscheinlich zu solchen Projekten dazu.

Je näher der Wettkampf kam, desto größer wurde allerdings ein Problem, das mich die gesamte Vorbereitung begleitet hat.

Das Schwimmen.

Viele haben Angst vor dem Marathon. Andere respektieren die 180 Kilometer auf dem Rad. Für mich war immer klar, dass meine größte Herausforderung die ersten 3,8 Kilometer des Tages sein würden.

Und genau deshalb war die Nacht vor dem Rennen wahrscheinlich der schwierigste Teil des gesamten Ironman.

Wir waren bereits am Freitag nach Hamburg gereist und haben bei einer Freundin in Winterhude übernachtet. Startunterlagen abholen, eine letzte lockere Laufeinheit, Wechselbeutel packen. Am Samstag noch einmal frühstücken, einschwimmen, das Rad abgeben und versuchen, zur Ruhe zu kommen. Kohlenhydrate laden, Material kontrollieren und sich einreden, dass man bereit ist.

Zumindest versucht man das.

In Wirklichkeit lag ich die halbe Nacht wach.

Meine Garmin behauptet bis heute, ich hätte etwas mehr als vier Stunden geschlafen. Ich weiß ehrlich nicht, wo diese vier Stunden gewesen sein sollen. Gefühlt bin ich alle zwanzig Minuten aufgewacht. Immer wieder mit demselben Gedanken:

Was ist, wenn ich das Schwimmen nicht schaffe?

Nicht das Radfahren. Nicht der Marathon. Nicht die Gesamtdistanz.

Das Schwimmen.

Es klingt heute irrational, aber genau so hat es sich angefühlt. Während alle anderen wahrscheinlich über ihre Zielzeit nachgedacht haben, hatte ich Angst davor, überhaupt durch die erste Disziplin zu kommen.

Irgendwann habe ich aufgegeben zu versuchen einzuschlafen. Die Vorbereitung war gemacht. Ich konnte an diesem Punkt nichts mehr verändern.

Am Sonntagmorgen ging es dann früh in die Wechselzone. Verpflegung ans Rad bringen, den Radcomputer montieren, noch einmal alles kontrollieren und versuchen, die Nervosität nicht allzu offensichtlich werden zu lassen.

Und plötzlich war er da. Der Moment, auf den ich zehn Monate hingearbeitet hatte.

Der Start.

Die ersten Meter im Wasser bestätigten leider genau das, wovor ich die ganze Nacht Angst gehabt hatte.

Mein Kopf hat komplett zugemacht.

Kraulen war nicht möglich. Ich bekam den Kopf nicht unter Wasser. Zweimal musste ich mich sogar an einem Boot festhalten, um mich kurz zu sammeln. Nicht weil mein Körper nicht mehr konnte, sondern weil der Kopf blockiert hat.

Die ersten 600 Meter waren ein einziger Kampf mit mir selbst.

Irgendwann kam dann dieser Moment, in dem man aufhört zu diskutieren. Der Moment, in dem einem klar wird, dass die Alternative nur darin besteht, weiter Angst zu haben.

Jetzt oder nie.

Also habe ich wieder begonnen zu kraulen.

Und plötzlich lief es.

Aus den ersten chaotischen 600 Metern wurden weitere 3.200 Meter am Stück. Keine weiteren Stopps, kein weiteres Drama. Einfach schwimmen.

Als ich aus dem Wasser gestiegen bin und die Zeit gesehen habe, konnte ich es kaum glauben.

1:16:52.

Schneller als ich diese Distanz jemals im Training geschwommen war.

Ausgerechnet das Schwimmen.

Ausgerechnet die Disziplin, vor der ich die größte Angst hatte.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie glücklich ich in T1 war. Nicht wegen der Platzierung oder irgendeiner Zielzeit, sondern weil die größte mentale Hürde des ganzen Tages plötzlich hinter mir lag.

Das Radfahren begann eigentlich genauso, wie ich es nicht geplant hatte.

Mein Plan war simpel. Konstant fahren. Ruhig bleiben. Rund 210 Watt treten und mich nicht von anderen Athleten mitreißen lassen.

In der Theorie ein guter Plan.

In der Praxis habe ich mein Ego nicht konsequent genug ausgeschaltet bekommen.

Immer wieder waren Wattspitzen dabei, die dort nichts zu suchen hatten. Immer wieder bin ich etwas härter gefahren, als ich eigentlich wollte. Auf der ersten Runde fühlte sich das noch gut an. Die Rechnung dafür kommt im Ironman allerdings selten sofort.

Dazu kamen die Bedingungen.

Vor allem auf der zweiten Runde wurde Regen und Gegenwind immer stärker. Was mich unterwegs zusätzlich beschäftigt hat, waren die vielen Athletinnen und Athleten am Streckenrand. Gefühlt standen alle paar Minuten Menschen neben ihren Rädern, wechselten Schläuche oder saßen völlig erschöpft am Rand.

Damals konnte ich das überhaupt nicht einordnen.

Erst später habe ich verstanden, wie hart die Bedingungen an diesem Tag tatsächlich waren.

Die letzten vierzig Kilometer wurden zunehmend anstrengender. Der Wind wurde stärker, die Beine schwerer und langsam kam das Gefühl auf, dass ich vielleicht doch etwas zu viel investiert hatte.

In T2 traf mich dann die Realität.

Die Beine waren schwer und plötzlich stand da kein Rad mehr zwischen mir und dem Ziel.

Nur noch ein Marathon.

Ich weiß noch genau, wie ich in der Wechselzone saß und dachte:

Jetzt läufst du tatsächlich noch einen Marathon.

Dieser Moment war mental härter, als ich erwartet hatte.

Bis dahin war immer noch alles irgendwie abstrakt gewesen. Jetzt lagen die 42,2 Kilometer sichtbar vor mir.

Eigentlich hatte ich gehofft, beim Laufen noch einmal richtig etwas herausholen zu können. Laufen war schließlich meine stärkste Disziplin.

Der Plan war gut.

Der Körper hatte andere Pläne.

Zunächst machte der untere Rücken dicht. Dann meldete sich der Darm. Insgesamt verlor ich fast 25 Minuten auf den Dixis entlang der Strecke. Noch schlimmer als die verlorene Zeit war aber, dass ich dadurch kaum noch Energie aufnehmen konnte.

Die Versorgung funktionierte nicht mehr.

Ab etwa Kilometer 20 waren meine Oberschenkel komplett zu.

Ab diesem Punkt ging es nicht mehr darum, möglichst schnell zu laufen. Es ging darum, weiterzulaufen.

Und genau dort haben die Menschen an der Strecke den Unterschied gemacht.

Die Unterstützung in Hamburg war unglaublich. Überall standen Zuschauer, riefen Namen und feuerten Menschen an, die teilweise schon lange über ihrem Limit unterwegs waren. Immer wieder traf ich Freunde und Familie an verschiedenen Punkten der Strecke. Immer wieder sah ich Anna.

In solchen Momenten merkt man, wie viel Kraft andere Menschen geben können.

Der Körper wollte häufiger stehen bleiben als weiterlaufen. Die Unterstützung von außen hat dafür gesorgt, dass ich es nicht getan habe.

Der emotionalste Moment des Tages war für mich deshalb nicht einmal der Zieleinlauf.

Es war der Moment, meine Frau wieder in den Arm zu nehmen.

Zu wissen, dass sie diesen gesamten Weg mitgetragen hat. Die frühen Trainingsstunden, die langen Ausfahrten am Wochenende, die vielen Abende rund um Training, Ernährung und Wettkampfvorbereitung. Sie war die ganze Zeit dabei.

Dieser Moment bedeutet mir heute mehr als jede Platzierung.

Als ich schließlich auf den roten Teppich einbog, war plötzlich alles erstaunlich ruhig.

Nicht um mich herum – dort war es laut.

Sondern in meinem Kopf.

Ich wusste, dass ich es geschafft hatte.

Und ich erinnere mich noch an einen Gedanken:

Genieß es. Dafür hast du alles gemacht. Glocke nicht vergessen.

Wenige Augenblicke später stand auf der Uhr:

10:43:43

Natürlich war das nicht die Zeit, die ich irgendwann zwischendurch einmal in meinen optimistischsten Gedanken gesehen hatte. Aus dem ursprünglichen Ziel, einfach zu finishen, war im Laufe der Vorbereitung irgendwann der Gedanke entstanden, vielleicht sogar die zehn Stunden anzugreifen.

Am Ende wurde es das nicht.

Und trotzdem bin ich zufrieden.

Nicht, weil alles perfekt lief. Ganz im Gegenteil.

Es gab viele Dinge, die ich beim nächsten Mal besser machen würde. Mehr Koppeltraining. Mehr Freiwasser. Mehr Krafttraining. Die Verpflegung auf dem Rad besser trainieren. Konstanter fahren. Die Aero-Position verbessern.

Aber genau das macht für mich einen ersten Ironman aus.

Er muss nicht perfekt sein.

Er muss nur ehrlich sein.

Die größte Überraschung des Tages war für mich übrigens das Schwimmen.

Die Disziplin, vor der ich mich monatelang gefürchtet hatte, wurde am Ende meine beste Disziplin. Wenn ich etwas aus diesem Rennen gelernt habe, dann vermutlich genau das:

Die größten Grenzen liegen selten im Körper.

Sie liegen meistens im Kopf.

Würde ich es noch einmal machen?

Ja.

Definitiv.

Nicht weil ich mit 10:43:43 unzufrieden bin.

Sondern weil ich heute weiß, dass mehr möglich ist. Und weil ich mir beweisen möchte, dass ich es besser kann.

Vor allem aber, weil ich mittlerweile verstanden habe, was dieser oft zitierte Satz wirklich bedeutet.

Der Ironman war nicht dieser Sonntag in Hamburg.

Der Ironman waren die zehn Monate davor.

Die vielen kleinen Entscheidungen. Die Trainingsstunden. Die Zweifel. Die Momente, in denen man trotzdem losgeht. Die Menschen, die einen begleiten.

Und genau deshalb passt für mich keine Überschrift besser als diese:

Der Weg ist das Ziel.

Meine Learnings

Was würde ich beim nächsten Mal besser machen?

1. Mehr Freiwasser trainieren

Nicht für die Fitness, sondern für den Kopf. Die größte Hürde des gesamten Tages war nicht die Distanz, sondern die Angst vor dem Schwimmen und die ersten Minuten im Wasser.

2. Mehr Koppeltrainings absolvieren

Der Übergang vom Rad zum Laufen war deutlich härter als erwartet. Mehr Race-Simulationen würden helfen, den Körper besser darauf vorzubereiten.

3. Konstanter Rad fahren

Mein geplanter Wattbereich lag bei etwa 210 Watt. Rückblickend hatte ich zu viele Leistungsspitzen und habe auf der ersten Hälfte mehr investiert als nötig.

4. Verpflegung noch konsequenter trainieren

Ernährung ist die vierte Disziplin eines Ironman. Sobald die Energieaufnahme nicht mehr funktioniert, wird jedes Rennen deutlich schwerer.

5. Mehr Krafttraining integrieren

Vor allem für Rücken, Hüfte und Rumpf. Die Beschwerden beim Marathon haben gezeigt, dass hier noch Potenzial besteht.

6. Aero-Position optimieren

Mehr Zeit in der Wettkampfposition verbringen und den Körper noch besser daran gewöhnen.

7. Wechsel effizienter gestalten

Keine riesige Zeitersparnis, aber viele kleine Details summieren sich auf einer Langdistanz.

8. Weniger Angst vor dem Schwimmen haben

Die größte Überraschung des Tages war, dass ausgerechnet das Schwimmen meine stärkste Disziplin wurde. Die meiste Angst war im Nachhinein völlig unbegründet.

Mein größtes Learning

Die größte Gefahr war nicht das Wetter, nicht die Distanz und nicht die Schmerzen.

Die größte Hürde war der Kopf.

Ausgerechnet die Disziplin, vor der ich monatelang Angst hatte, wurde am Ende meine beste Disziplin.

Deshalb nehme ich aus Hamburg vor allem eines mit:

Die meisten Grenzen entstehen zuerst im Kopf.

Mein Setup am Renntag

Das Material und die Verpflegung meines Ironman Hamburg 2026.

Schwimmen

  • Zone3 Wetsuit
  • Garmin Forerunner 965
  • Garmin HRM 600

Radfahren

  • Canyon Speedmax
  • 4iiii Powermeter Kurbel
  • Garmin Edge 550
  • Canyon Aero Flaschen
  • Rockbros Sattel-Flaschenhalter
  • Ryzon Aero Calf Sleeves

Laufen

  • Saucony Triumph 23
  • Garmin Forerunner 965
  • Garmin HRM 600

Bekleidung

  • Ryzon Kurzarm-Trisuit

Verpflegung

Vor dem Rennen
  • Toast / Weißbrot mit Marmelade
  • Maurten Gel
  • Maurten Riegel
  • 5 g Bicarbonat
Nach dem Schwimmen / T1
  • Maurten Gel
  • Maurten Riegel
  • 5 g Bicarbonat
Im Rennen
  • Maurten Gel 160
  • Maurten Riegel
  • Maltodextrin
  • Elektrolyte
  • Wasser
  • Elektrolytgetränke an den Verpflegungsstationen