Tri-Clubhaus
Unterschenkel & Achillessehne

Achillessehnen-Reizung

Auch bekannt als: Achillodynie, Achillessehnen-Tendinopathie

Rund 9 % der Läufer betroffen; besonders häufig ab 35+ und nach Tempo-/Bergsprüngen im Training.

Was ist das?

Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Körpers — und trotzdem die Diva des Läuferkörpers: Auf zu schnelle Belastungssprünge reagiert sie mit schmerzhaften Umbauprozessen, meist im mittleren Sehnenbereich 2–6 cm über der Ferse, seltener direkt am Fersenbein-Ansatz. Typisch ist der morgendliche Anlaufschmerz, der nach ein paar Schritten besser wird.

Typische Symptome

  • Anlaufschmerz & Steifheit morgens oder nach Sitzen
  • Druckschmerz und ggf. spürbare Verdickung 2–6 cm über der Ferse
  • Schmerz zu Laufbeginn, der nach Aufwärmen nachlässt — und nach dem Lauf zurückkommt

Die Ampel: Was tun?

Weitertrainieren mit Anpassung

Nur kurze Morgensteifheit, beim Laufen ruhig: Tempoläufe/Bergläufe raus, exzentrisches Wadentraining vorbeugend starten.

Belastung raus & gezielt arbeiten

Schmerz bei jedem Lauf oder zunehmende Verdickung: Laufpensum an der 3/10-Schmerzgrenze deckeln, 12 Wochen Alfredson-Protokoll oder Heavy-Slow-Training konsequent durchziehen.

Stopp — ärztlich abklären

Plötzlicher „Peitschenknall“ mit Einsinken beim Abdruck (Verdacht Riss!), starker Ruheschmerz oder monatelange erfolglose Eigenbehandlung: sofort bzw. zeitnah zum Arzt.

Häufige Ursachen

  • Plötzliche Tempo-, Sprung- oder Bergsteigerungen — die Sehne adaptiert über Monate, nicht Tage
  • Steife Waden und eingeschränkte Sprunggelenksbeweglichkeit
  • Schuhwechsel auf flachere Sprengung ohne Übergangszeit
  • Alter, Diabetes und bestimmte Antibiotika (Fluorchinolone) erhöhen die Anfälligkeit

Was die Forschung sagt

Die Achillessehne ist die bestuntersuchte Sehne der Sportmedizin. Das exzentrische Wadentraining nach Alfredson (klassisch 3×15 Wiederholungen, 2× täglich, 12 Wochen, gestrecktes + gebeugtes Knie) ist der Goldstandard mit Erfolgsraten um 60–90 % — eine randomisierte Studie im JOSPT zeigt allerdings, dass auch ein niedrigeres Übungsvolumen („so viel wie tolerierbar“) vergleichbar wirkt. Wichtig: Die Übung darf moderat wehtun (bis ~5/10), das ist Teil des Wirkprinzips.

Übungen dagegen

Exzentrische Wadenarbeit ist hier nicht optional, sondern die Therapie:

  • Heel Drops an der Treppenstufe: hochdrücken beidbeinig, langsam einbeinig absenken (3×15, gestrecktes Knie)
  • Dieselbe Übung mit gebeugtem Knie (tiefer Wadenmuskel)
  • Später mit Zusatzgewicht (Rucksack) steigern
  • Sprunggelenks-Mobility ergänzen

Zurück ins Training

Laufen parallel zum Übungsprogramm ist meist erlaubt, solange der Schmerz 3/10 nicht übersteigt und bis zum nächsten Morgen abklingt. Erst flach und langsam, Tempo- und Bergeinheiten frühestens nach 8–12 Wochen. Geduld: Sehnenheilung wird in Monaten gemessen.

Für den Wiederaufbau: Der Trainingsplan-Generator hilft dir, wieder strukturiert einzusteigen.

Quellen

Weitere Beschwerden in dieser Region